Nachdem wir die letzten beiden Aprilwochen fast komplett im GSENM draußen in der Wüste verbracht haben, ist es an der Zeit,
wieder einmal unsere Vorräte aufzufrischen und in die Zivilisation zurückzukehren. Wir fahren also wiederum nach Page und quartieren uns einmal mehr bei Camp Walmart ein. Der Antelope
Canyon ist ja ganz in der Nähe und wir beschließen, dieses Mal den Lower Canyon zu besuchen. Da er nicht so sehr bekannt ist, erhält er deutlicher weniger Besucher als der Upper Canyon,
obwohl er mindestens genauso schön sein soll. Warum er nicht so bekannt ist hat einen ganz einfachen Grund: er hat nur sehr wenige und auch nicht so spektakuläre Beams. Dafür kann man den
ganzen Tag über Bilder machen und so verteilen sich die Fotografen auf einen längeren Zeitraum. Diese Art der Fotografie ist schon bedeutend entspannender und man entwickelt gleich mehr
Kreativität. Insgesamt sind wir 4 Stunden drin und keiner wirft uns raus. Hier ein paar der unzähligen Bilder aus dem Lower Antelope Canyon: Als nächstes Ziel stehen die Wahweap Hoodoos ganz in der Nähe von Big Water gelegen auf dem Programm. Diese einzigartigen
Hoodoos sind jedoch nur in einem langen ca. 13 km langen (6,5 km hin und 6,5 km zurück) Marsch zu erreichen, was uns aber
nicht abschrecken soll. Da die Hoodoos nur am frühen Morgen im Licht sind (später sind sie im Schatten) müssen wir noch vor
Sonnenaufgang loslaufen. Wir übernachten deshalb gleich am Trailhead und starten unsere Wanderung in aller Herrgottsfrühe. Mit
Hilfe des GPS finden wir die Hoodoos relativ schnell und kommen noch bei relativ guten Lichtverhältnissen an. Hier ein paar Bilder
dieser ‘geisterhaften’ und zugegebenermaßen ziemlich pervers aussehenden Hoodoos: Nach ausgiebiger Fotografie marschieren wir bei brütender Hitze in der prallen Sonne zum Landy zurück. Wir erholen uns etwas
von der Hitzeschlacht und machen uns wieder auf den Weg - nochmals zum Grand Canyon. Allerdings nicht wieder zum South
Rim, sondern zum um einiges höher gelegenen North Rim. Da die Zufahrtsstraße zum touristisch erschlossenen Teil wegen
Schnees erst am 15. Mai öffnet, fahren wir zum sehr abgelegenen Aussichtspunkt Toroweap. Da dieser nur über eine 100 km
lange Schotterpiste, die am Ende zu einem üblen Allradtrack wird, erreichbar ist, sind dort auch wirklich nur wenige Leute. Der
kostenlose Campingplatz hat nur 9 Plätze und wir bekommen einen der letzten.
Toroweap ist der Ort, an dem der Grand Canyon am engsten ist und man direkten Blick auf den Colorado hat. Während man ihn
von all den anderen Aussichtsplätzen fast gar nicht sehen kann, gibt’s hier Colorado so weit das Auge reicht. Es bietet sich
einem ein wirklich atemberaubender Anblick, wenn man direkt an der Kante steht und mehrere hundert Meter senkrecht auf die
Fluten hinunter schaut. Hier sollte man wirklich schwindelfrei sein, denn es gibt keine Abschrankungen und sollte man
ausrutschen, gibt es keine Rettung mehr. Toroweap ist einer der schönsten Plätze an denen wir bisher waren. Zum einen wegen
der atemberaubenden Landschaft, zum anderen aber wegen der Einsamkeit. Man kann diesen Ort wirklich ohne Ablenkung durch
andere Leute (wir haben weder abends noch morgens eine Menschenseele getroffen) genießen. Aber seht selbst: Auf dem Plateau blühen jetzt Anfang Mai zahllose Blumen und auch Kakteen. Als nächstes Ziel steht der Zion Nationalpark auf dem Programm. Da wir von anderen Reisenden schon gehört haben, daß dort
wirklich schon sehr viel los sein soll, haben wir etwas Bauchweh bezüglich eines freien Campingplatzes. Die Sorge stellt sich
jedoch als grundlos heraus, denn als wir am frühen Nachmittag ankommen, sind noch reichlich Plätze zur Verfügung. Wir
quartieren uns ein und machen uns mit den ‘Gepflogenheiten’ des Zion vertraut. Wie am Grand Canyon South Rim wurde auch im
Zion über die Sommermonate ein Shuttlebussystem eingeführt. Das bedeutet, daß der Zion Canyon selbst nur mit Bussen
erreicht werden kann. Eigentlich eine ganz bequeme Geschichte - vor allem wenn man sieht, wie eng der Canyon wirklich ist. Es
ist wirklich kaum vorstellbar wie es wäre, wenn all die vielen Leute mit dem Auto diese einzige Straße und die wenigen Parkplätze
verstopfen würden. Man würde sich wahrscheinlich mehr ärgern als sonst was!
Am nächsten Morgen besteigen wir also den Bus und klappern nach und nach die Sehenswürdigkeiten des Parks ab. Die
Fotografie ist jedoch schwierig: der Canyon ist sehr hoch und nur während der Mittagsstunden, wenn das Licht eigentlich viel zu
hart zum Fotografieren ist, in der Sonne. Einige wenige Sehenswürdigkeiten von li nach re.: Towers of the Virgin, The Watchman
mit Virgin River, einsame Kiefer wächst aus einem Felskegel auf dem Zion Plateau und als guter Letzt der Double Arch Alcove in
der Kolob-Sektion des Zion. Das Kolob-Gebiet des Zion sieht weitaus weniger Besucher und ist mit dem Auto anfahrbar. Die
Wanderung entlang des Taylor Creek zum Double Arch Alcove dauert ca. 1 1/2 Stunden einfach. Leider sind die Virgin Narrows im Moment nicht begehbar, da wegen der Schneeschmelze zuviel Wasser im Fluss läuft. Da es im
Herbst im Zion sowieso schöner ist, werden wir auf jedenfall Anfang November nochmals herkommen. Die Bäume sind dann
herrlich verfärbt und der Park sieht ungleich weniger Besucher. Müssen die Narrows halt bis zum Herbst warten. Dann wollen wir
uns auf jeden Fall auch die ‘Subway’, ein weiteres, leider jedoch nur durch eine sehr sehr anstrengende Tageswanderung zu erreichendes Icon des Südwesten ansehen.
Eigentlich wollten wir vom Zion aus weiter durch Nevada nach Kalifornien fahren. Angesichts der Tatsache, daß wir jedoch
absolut keinen Speicherplatz mehr auf unseren Rechnern haben ist uns klar, daß etwas geschehen muß. Wir beschließen
dehalb, nach Page auf den günstigen Campingplatz (für ca. 20 Bucks) zurückzukehren und uns dort einzuquartieren, bis wir alle
Australienbilder bearbeitet, beschriftet und an unsere Agenturen versandt haben. Außerdem müssen wir die bisher gemachten
USA-Bilder gründlich ‘durchmisten’, um wieder Platz auf unseren beiden Rechnern und den externen Festplatten zu bekommen.
Jetzt rächt es sich halt, daß wir die letzten Monate nur fotografiert und fotografiert haben... Aber hier gibt es halt soviel zu
sehen... Außerdem braucht der Landy dringend neue ‘Schuhe’ und in Page - wissen wir - hat es einige Reifenhandlungen. Da wir
planen, länger dort zu bleiben, können wir auch warten, falls BF Goodrich unsere Schuhgröße nicht am Lager hat und erst geliefert werden müsste.
Insgesamt sind wir dann ganze 2 Wochen in Page, bis wir alles soweit ‘auf der Reihe’ haben. Der Landy hat seine neuen Reifen
und wir treffen Hans und Herwiga aus Wörgl/A bzw. München, die für 6 Monate durch die USA reisen. Da auch beide fotografieren,
haben wir viel Gesprächsstoff und verbringen einige nette Abende zusammen. Auch die Wave interessiert sie und so beschließen
sie, an der Lotterie für die Permit teilzunehmen. Leider klappt es nach 4 Versuchen immernoch nicht und so geben die beiden
schießlich auf. Die ‘Aufgabe’ erweist sich im Nachhinein auch als weise, denn an unserem letzten Tag in Page regnet es wie aus
Kübeln. Sowohl der Campingplatz als auch die Straßen rund um das Städtchen sind weggespült und gesperrt. An eine
Wanderung zur Wave beziehungsweise eigentlich der Anfahrt zum Trailhead, wird für die nächsten Tage nicht zu denken sein -
zumal weitere Regenfälle angesagt sind. Zum Abschluß treffen wir uns noch für einen Kaffee beim örtlichen McDonalds und trennen uns dann etwas schweren Herzens von den beiden.
Nach 2 Wochen ‘Sesshaftigkeit’ zieht es uns wieder hinaus in die weite Welt und sind froh, Page endlich hinter uns zu lassen.
Dieses Mal verlassen wir Page nach Süden hin und fahren über Lees Ferry, Jacob Lake und St. George zum Valley of Fire State
Park in Nevada. Obowohl wir gehört haben, daß der Park wegen seiner Nähe zu Las Vegas gerne überfüllt sein soll, ist
erstaunlich wenig los. Es gibt kein Campingplatzproblem und so können wir den Park entspannt erkunden. Wir wandern und
fotografieren nach Herzenlust. Steffen betätigt sich da schon mal als Helfer und versucht mit einem Reflektor bestimmte
Bildbereiche abzuschatten bzw. anzuleuchten. Dazu muß sich der Arme ganz schön verrenken.... Hier die Ergebnisse von li
nach re: Steffen beim ‘Yoga’, Ephemal Arch, Elephant Rock und Windstone.
Nach all den roten Steinen in Arizona und Utah wollen wir weiter nach Norden ins grünere Kalifornien. Wir streifen Las Vegas,
halten uns Richtung Norden und erreichen schließlich Kalifornien über die White Mountains. In den White Mountains verbringen
wir zwei Tage und besuchen die bekannten Bristlecone Pines, die ältesten lebenden Bäume der Welt. Das älteste Exemplar auf
dem White Mountain soll 5000 Jahre alt sein! Wir sind hier auf 3500 m Höhe und entsprechend knorrig und verwittert zeigen sich
auch die alten Bäume. Als wir über die ruppige Schotterpisten holpern, treffen wir auf einen leuchtend blauen Berghüttensänger (Mountain Bluebird). Wieder unten im Tal erreichen wir auf Highway 395 schnell unser nächstes Ziel - den Mono Lake. Als wir in South Tufa, am
Südufer des Sees, ankommen herrscht düstere Gewitterstimmung über einem aufgewühlten See. Trotzdem wandern wir zu den
berühmten Tuffsteinformationenen und erkunden die Gegend für mögliche Motive. Kurz vor Sonnenuntergang, ergibt sich doch
tatsächlich eine schmale Lücke in der dichten Wolkendecke und wir erleben ein herrliches Farbenspiel am Himmel. Am nächsten
Morgen haben sich sämtliche Wolken verzogen und der Lake präsentiert sich von einer komplett anderen Seite. Obowohl das
Wasser des Mono Lake alkalisch ist und dort deshalb keine Fische leben können, erlebt man dort eine artenreiche Vogelwelt. Ein
Fischadlerpaar brütet auf einer der Tufaformationen und überall bauen Schwalben gerade an ihren Nestern. Am Nachmittag geht’s dann weiter über den Tioga Pass, der erst 3 Tage vorher aufgemacht hat, und erreichen schließlich den
Yosemite Nationalpark. Hoch droben liegt noch Schnee und einige der Seen sind noch zugefroren. Unterwegs sehen wir auch
unsere ersten Bären - eine Schwarzbärmutter mit 2 Jungen. Für die Fotografie sind sie jedoch leider viel zu weit weg und auch noch im unübersichtlichen Wald. Trotzdem ist es schön, die wilden Tiere zu beobachten - vor allem die Jungen, die unbeschwert
herumtollen und auf Bäume klettern. Im Yosemite Valley angekommen, trifft uns allerdings regelrecht der Schlag. Es ist der 22. Mai, also 1 Tag nach
Memorial Day, der in den USA einem verlängerten Wochenende gleichkommt. Einige haben wohl noch ein paar Tage drangehängt, denn es ist wirklich die
Hölle los. Die Straße in’s Tal ist verstopft und alle Parkplätze voll. Genau so wäre es wohl am Grand Canyon und im Zion auch, wenn das
Shuttelbus-System nicht eingeführt worden wäre. Es gibt im Yosemite zwar Busse, jedoch sind sie nicht vorgeschrieben. So versucht halt doch jeder, mit
dem eigenen Vehikel von Ort zu Ort zu kommen. Uns ist der Trubel jedoch zuviel und wir kehren bei der nächsten Gelegenheit um. Eine Übernachtung
hatten wir hier von vorne herein nicht eingeplant, da wir im Internet gesehen hatten, daß alle Campingplätze schon bis in den August hinein ausgebucht
sind - ein hoffnungsloses Unerfangen, also. Auf der Fahrt aus dem Tal
machen wir jedoch noch das Standardbild vom Yosemite Valley mit El Capitan auf der linken und den Bridal Veil Falls auf der
rechten Seite. Vielleicht kommen wir im Herbst nochmal her, wenn die Bäume verfärbt sind - mal sehen.
Weiter geht’s immer Richtung Westen, bis wir schließlich den Pazifik an der Monterey Bay erreichen. Von hier fahren wir
Richtung Süden an die Küste von Big Sur, genauer gesagt in den Julia Pfeiffer Burns State Park. Leider hüllt sich die Küste
jedoch in Nebel, als wir dort ankommen. 10 km Inland herrscht noch der schönste Sonnenschein, hier an der Küste ist es jedoch
kühl und trübe. Im Laufe des Nachmittages hellt es sich noch etwas auf, so daß wir wenigstens das Meer einigermaßen deutlich
erkennen können. Schnell machen wir ein paar Bilder vom Wasserfall, der hier in einer malerischen Bucht in’s Meer fällt. Das
schnelle Handeln stellt sich im Nachhinein als glücklich heraus, denn die nächsten beiden Tage ist der Nebel deutlich dichter, so
daß an ein solches Bild nicht mehr zu denken ist. Dafür ist der bedeckte Himmel ausgezeichnet für die Pflanzenfotografie. Jetzt
im Frühling blühen entlang der Küstenstraße No 1 unzählige Blumen in allen nur erdenklichen Farben. Wir haben außerdem
Glück und sehen einen Kalifornischen Kondor. Insgesamt gibt es nur noch 50 dieser seltenen Vögel in freier Wildbahn. Wir haben
Nummer 5 gesehen und auch abgelichtet. Alle Kondore sind auffallend markiert und Nr. 5 hat zusätzlich einen Sender. Man kann
es deutlich an der GTI 16V-Antenne sehen. Er sieht so eher wie ein Roboter als wie ein Vogel aus! Nr. 5 lebt! Nachdem wirklich keine Wetterbesserung in Sicht ist, fahren wir wieder zurück Richtung Norden. Nebel begleitet uns bis nach
San Fransisco und auch die Golden Gate Bridge hüllt sich in Nebel. Wir fahren die Straßen von San Fransico, überqueren die
Golden Gate Bridge und fahren weiter auf Highway No. 1 immer Richtung Norden. Über mehr als eine Woche sehen wir nur Nebel, Nebel und nochmals Nebel, weshalb wir leider keines der geplanten Bilder
machen können. Enttäuschung macht sich breit und nur die bunt leuchtenden Blütenteppiche entlang der Straße heitern uns auf. Nach fast 2 Wochen Nebelfahrt kommen wir schließlich im Redwood Nationalpark bzw. den umliegenden State Parks an - doch
von dort berichten wir dann im Juni-Bericht. Meistens haben wir wild irgendwo an der Küste übernachtet, denn die Campingplätze
sind hier an der Küste einfach zu teuer. Insgesamt war das ganze Unterfangen ziemlich enttäuschend. Highway No. 1 soll sehr
schön sein, wir haben jedoch nur ab und zu einen Blick auf die Küstenlandschaft erhaschen können, wenn der Nebel gerade
einmal nicht gar zu dicht war. Oftmals haben wir nicht einmal das Meer sehen können. Für den Juni sind wir jedoch guten Mutes und hoffen auf Wetterbesserung. |